Es ist leider so: Ich komme mit bestimmten Freunden, die im weiten Bereich der sozialen Arbeit tätig sind, immer schwerer zurecht. Und ich hab mich echt gefragt, warum das so ist. Liegt es an mir? Bin ich schräg drauf? Ich möchte hier einige Gedanken mit euch teilen, woran das liegen könnte – und jeder kann selbst prüfen, ob da was dran ist. Bevor die Argumente auf den Tisch kommen, noch eine Vorbemerkung: Natürlich ist es völlig legitim, dass jeder sich seinen Beruf nach Neigung, Fähigkeit und Möglichkeit aussucht. Das soll hier keinesfalls in Abrede gestellt werden. Ebenfalls nicht in Abrede gestellt wird, dass es unzählige Ausübende sozialer Berufe gibt, die auf ehrenwerte Weise ihrem Job nachgehen, ohne andere zu nerven. Doch trotz dieser Grundannahmen bleibt eine Verstimmung – und ich merke, dass ich damit nicht allein dastehe, aber kaum jemand das in Worte fassen kann – oder sich vielleicht nicht traut. Deshalb dieser Versuch, das hier einmal zusammenzufassen:
Die große Mehrheit der Menschen, die in “sozialen Berufen” unterwegs sind, üben einen Job aus, den es dann, wenn jeder den ganz normalen Lebensstil z.B. unserer Familie hätte, gar nicht geben würde. Und mit “Lebensstil” meine ich nicht privilegiertes Dasein, denn wir haben (wie die meisten) weder üppig geerbt, noch wurde wir von unseres Eltern groß alimentiert. Meine Frau und ich haben mit nichts angefangen und uns durch harte Arbeit und einigermaßen kluges Handeln ein Leben aufgebaut. Mit folgendem Ergebnis: Unsere vier Kinder sind voll sozialversicherungspflichtig beschäftigt, zwei sind Handwerker, zwei haben studiert. Das kam daher, dass wir Sie dazu erzogen haben, ihre Ausbildungen so zu wählen, dass daraus ein Erwerbsleben werden kann. Und wir haben ihnen klar signalisiert, dass wir als Eltern einen Abbruch bzw. Wechsel der Ausbildung akzeptieren würden, aber halt nur Einen. Dazu haben wir unseren Kinder das Prinzip “nachgelagerter Belohnung” versucht vorzuleben – also erst Geld verdienen, dann Spaß haben, wie z.B. auf Reisen gehen. Verbunden mit ein paar guten Werten, die weitgehend aus dem christlichen Bereich kommen, wurde daraus der entsprechende Bruterfolg, der im Ergebnis nahezu jede Art von sozialer Arbeit unnötig gemacht hat, was unsere Familie – und im Grunde jede “normale” Familie betrifft, die so oder ähnlich vorgeht.
Und das ist nicht alles: Die Mehrzahl an sozialen Berufe wären mit unserem Lebensstil nicht nur unnötig, sie werden auch noch von uns “Normalen” finanziert: Von unseren Steuern, die wir alle bezahlen und von unser Sozialleitungen. Wir bezahlen also erzwungenermaßen Leute, die einen Job machen, den es gar nicht geben müsste, wenn Leute vernünftig mit ihrer Zeit, ihrem Geld und den Möglichkeiten, die dieses Land jedem bietet, umgehen würden.
Zu dieser Sachlage gesellt sich noch ein weiterer Befund: Ich erlebe, wie sich die Welt der sozialen Dienstleistungen verstetigt, verselbstständigt und zu einem selbstreferentiellen System wird – mit anderen Worten: Soziale Arbeit existiert zunehmend weniger dafür, Menschen herauszuhelfen als dem Elend – es ist umgekehrt: Verelendete Menschen werden zu dem Humus, in dem soziale Arbeit Blüten und Früchte treiben kann. Also ein eigener Kosmos, der sich parasitär sozusagen aus zwei Quellen selbst versorgt: Seine stabilisierenden Wurzeln sind eingesenkt im Elend armer Menschen, während seine nährenden Wurzeln an den Normalos saugen, die den ganzen Laden am Laufen halten.
Das ist der Befund, wie er sich mir darstellt – und jetzt kommt die Komponente hinzu, die für Verstimmung sorgt: Vor dem oben geschilderten Hintergrundrauschen höre ich links-woke-ökologisch-sozial-moralisierende Argumente von Freunden und Bekannten aus diesem Umfeld – und bin verstimmt. Hab keine Lust darauf und finde Belehrungsversuche aus dieser Ecke zunehmend lästig. Besonders, wenn sie von oben herab kommen – und wenn sie verbunden sind mit dem Anspruch, die edleren, vernünftigeren und menschlicheren Argumente zu haben.
Aber zu all dem gibt es noch eine Steigerung: Wenn solche Personen aus Großstädten kommen, die seit Jahrzehnten Links regiert werden und die zu üblen, schmutzigen und verkommenen Löchern wurden. Im ländlichen Bereich – in dem ich häufig unterwegs bin – sehe ich Schulen, die so aussehen wir anderswo Banken: Sauber, neu, ansprechend und freundlich. Gebaut und unterhalten von Gemeindeverwaltungen, die eher konservativ ausgerichtet sind. Vergleiche das mal mit Schulen in Neumünster, Hamburg, Bremen oder Berlin. Schon mal einen Blick drauf geworfen? Rein dem äußeren Anschein nach könnte man meinen, es handelt sich um Anstalten, die primär dazu dienen, eine parasitäre soziale Maschinerie mit passendem Klienten-Nachschub zu versorgen. Es gibt einige Indizien, die dafür sprechen, dass es wirklich so ist – andernfalls müssten doch Schulen in sozialistisch regierten Städten besser ausgestattet sind als alle anderen – besonders dann, wenn diese sozialistische Regierungszeit schon einige Jahrzehnte andauert!
Nach dieser Betrachtung mag jeder selbst prüfen: Ist es wirklich angemessen, dass Menschen, die ihr berufliches Ergehen auf solche Zustände aufbauen und daraus Honig saugen, als Oberlehrer in ihrem Umfeld auftreten? Ich kann dafür weniger und weniger Verständnis aufbringen. Sorry.
Schönen Tag noch!
Euer Bernd




















