Wir haben doch tolle Wissenschaftler, geniale Ingenieure, begnadete Handwerker – und und wer nicht zu diesen Personengruppen der Macher und Problemlöser gehört, aber dennoch besorgt ist, kann sich mit seinem Anliegen sicherlich in irgendeiner hocheffizient organisierten NGO wiederfinden, die dieses Thema mit Hilfe leidenschaftlich agierender Aktivisten auf die öffentliche Agenda setzt. Vor dem Hintergrund dieser komfortablen Situation ist die Frage nach dem Sinn von Advent und Weihnachten zutiefst berechtigt. Die Botschaft der Engel lautet: “Euch ist heute ein Retter geboren, der ist Christus, Herr…”. Wozu noch?
Gerne möchte ich Sie herausfordern, anhand von drei viel zu wenig beachteten Tatsachen über diese Frage nachzudenken. Es sind ausgesprochen schlichte Tatsachen, aber wichtige, vielleicht entscheidende Schlüssel zur Antwort auf unsere Frage: Wozu ein göttlicher Retter?
- Wir übersehen leicht, dass sich Fachwissen meist schlecht von einem Wissensbereich auf den anderen übertragen lässt. Jemand hat das so auf den Punkt gebracht: Ihr Auto wird von einem Marder heimgesucht. Alles wird zernagt – und damit nicht genug: Der stolze Marder zeigt sein Werk voller Begeisterung auch noch seiner Auserwählten. Im verwüsteten Motorraum Ihres neuen Euro-6-temp-Diesels kommt es zum Äussersten! Der Mechaniker sieht sich das an und kommt locker auf 4000.-€. Die haben Sie aber nicht. Was tun? Würden Sie den Mechaniker um Rat fragen, wie sie an das Geld kommen könnten? Natürlich nicht – er ist Kompetent, die mechatronischen Folgen einer heißen Marder-Liebesnacht in ihre Motorraum zu bewerten, aber von Finanzierung hat der Mann unter Umständen keine Ahnung! Fakt 1: Fachwissen lässt sich nicht einfach von einem Wissensbereich auf den anderen übertragen.
- Manche Probleme, Notlagen oder verfahrene Situationen kann man nicht einfach lösen, indem man die Schritte rückwärts geht, die falsch gelaufen sind. Das typische Beispiel ist das vom langen Messer: Sie finden einen Menschen mit einem Messer im Rücken. Er ist schwer verletzt – sie wollen helfen. Hier ein heißer Tipp: Machen Sie die Tat nicht rückgängig. Bitte fassen Sie das Messer nicht an. Herausziehen kann tödlich sein! Fakt 2: Schritte zurückzugehen, um schlimme Dinge ungeschehen zu machen, können das Problem verschärfen!
- Der dritte Punkt ist eng verknüpft mit den beiden ersten – aber genauso schlicht: Fakt 3: Wenn jemand ein Problem entdeckt, heißt das noch lange nicht, dass er es auch lösen kann.
So logisch diese drei schlichten Fakten sind – ihre Beachtung widerspricht zutiefst der menschlichen Natur – besonders dann, wenn es darauf ankommt. Ein Beispiel: Wann gehen Menschen zum Schuldenberater? In den allermeisten Fällen, wenn es zu spät ist. Das Problem wurde zwar längst entdeckt, man glaubte aber, selbst die Lösung finden zu können (Missachtung Fakt 3). Nur weil man sich eine gewisse Kompetenz darin angeeignet hat, Konsumentenkredite erfolgreich abzuschließen, bildet man sich ein, die Kompetenz haben, diese auch sinnvoll umzustrukturieren und ablösen zu können (Missachtung Fakt 1). Und weil Schritte in einen unangemessenen Lebensstandard gegangen wurden, nimmt man an, dass entsprechende Schritte zurück doch die Lösung bedeuten müssten (Missachtung Fakt 2).
Solche Versuche der Selbstrettung sorgen dafür, dass wir uns nur noch mehr im Problem verheddern. Und es betrifft nicht nur das willkürlich gewählte Beispiel von der Schuldenfalle. Man könnte diese drei Fakten genausogut anwenden auf unseren Umgang mit Ängsten und Sorgen, mit Süchten, Minderwertigkeit, Partnerschafts- und Eheprobleme, Erziehungsprobleme oder irgendetwas anderes, das Menschen in die Verzweiflung treibt.
“Als Jesus die Volksmenge sah, wurde er innerlich bewegt über sie, weil sie erschöpft und verschmachtet waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.” (Matthäusevangelium 9,36). Wir brauchen einen Retter, weil wir wie Schafe ohne Aufsicht dazu neigen, in die Irre zu gehen. Der Ruf nach einem Retter ist keine religiöse Romantik, sondern lässt sich leicht an schlichten aber nachprüfbaren Fakten festmachen (s.o.). Wir brauchen einen Retter, weil wir uns selbst nicht retten können!
Das Angebot Gottes ist die Gabe seines Sohnes! Er ist die Weisheit in Person, in ihm wurde alles geschaffen – er ist die einzige Persönlichkeit im Universum mit unbegrenzt fachübergreifendem Wissen und der Fähigkeit, alles Wiederherzustellen (Fakt 1: ✔). Durch sein Opfer am Kreuz durchkreuzt er unsere Nöte und alle Schuld, die wir auf uns geladen haben. Das nennt die Bibel Gnade. Zurückgehen zum Problem und Schuld abtragen gibt es – wenn überhaupt – nur dann, wenn dies nicht zu grösseren Problemen führt (Fakt 2: ✔). Und als er sagte “Es ist vollbracht” dachten alle, mit seinem Tod wäre Jesu Mission zu ende. Doch vollbracht hatte den Durchbruch vom vergänglichen Leben zur Auferstehung in ein neues Leben, das nicht mehr vom Verfall bedroht ist. Dieses Leben aus der Auferstehung steht seitdem zur Verfügung! Bereits hier und jetzt anzufangen, vertrauensvoll von diesen göttlichen Ressourcen zu zehren und mehr und mehr daraus zu leben ist letztlich die Lösung für jedes denkbare menschliche Problem (Fakt 3: ✔).
Wozu ein göttlicher Retter? Wir haben ihn dringend nötig. Gott sei dank ist es Weihnachten geworden!

